Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Slawistik und Hungarologie - Ungarische Literatur und Kultur

Wissenschaftliches Profil

Unser Fachgebiet widmet sich der Erforschung der ungarischen Literatur und Kultur. Dabei kombinieren wir literatur- und kulturwissenschaftliche Zugänge und Themen, um diese sehr spannende und reich facettierte Kultur mit ihrer Literatur aufgrund von vielfältigen Fragestellungen zu entdecken. Wenn eine Sprache und Kultur von insgesamt ca. 13 Millionen Sprechenden eine Literatur hervorbringen kann, die sich in gut 20 Jahren zwei Nobelpreise für Literatur holt: Da wird es etwas sehr Spezifisches, zugleich Profundes in dieser Literatur geben.

In Lehre und Forschung versuchen wir diesem kulturellen und literarischen Spezifikum nachzugehen. Wir fragen etwa nach den sprachlichen, historischen und kulturellen Eigenschaften der ungarischen Literatur und Kultur und versuchen zugleich das Europäische, gar vielleicht Universale an ihnen aufzuspüren. Wir untersuchen, wie die ungarische Literatur und Kultur am Erbe der Habsburgermonarchie partizipiert, wie sie dieses mitprägt und wie ihr regionales (mitteleuropäisches) Charakteristikum zu verstehen ist. Und vor allem, wie diese Literatur zu lesen ist in Bezug auf Fragen, die nicht nur in ihr, sondern auch in anderen Literaturen thematisiert werden, in der ungarischen jedoch eine besondere Ausprägung erhalten und manche Erkenntnisse und Geheimnisse versprechen. Wie erscheinen soziokulturelle Verhältnisse, Atmosphären, die Natur, die die Spuren der Geschichte die Körperlichkeit in Lyrik und Prosa in den Texten? Wie beeinflussen sich diverse Medientechniken (Fotografie, Radio etc.) und Literatur gegenseitig?

Bei diesen und vielen anderen Fragestellungen greifen wir stets auf Lese- und Interpretationserfahrungen auch aus anderen Literaturen, vornehmlich – aber nicht nur – der deutschsprachigen zurück. Wir nehmen verschiedene Gattungen unter die Lupe, von der Lyrik über Kurzgeschichten und Novellen bis zum Tagebuch und zum Roman, aber auch zum literarischen Essay. Die Mitarbeiter des Fachgebiets sind bewandert und ausgebildet auch in anderen Literaturen (deutsche, französische, polnische etc.), daher arbeiten sie immer auch vergleichend sowohl in der Forschung als auch in der Lehre. Der regionale Fokus ist immer schon auch ein transregionaler und integrativer Ansatz in europäischer bzw. weltliterarischer Perspektive.

Ein zentraler Bestandteil des Studiengangs ist die Sprachausbildung. Der systematische und vielseitige Sprachunterricht sichert ein rasches Vorwärtskommen und bereitet Sie auf die Verwendung der Sprache im universitären und beruflichen Bereich vor. In zahlreichen Übungen sowie Lernangeboten außerhalb der Kurse lernen unsere Studierenden die Sprache und erreichen am Ende des Studiengangs mindestens das Niveau B2 in Wort und Schrift, mit Vorkenntnissen zu Beginn des Studiums sogar das Niveau C1.

Unser Fachgebiet gilt auch als ein Zentrum der Lehrwerksentwicklung und Grammatikforschung im Bereich Ungarisch als Fremdsprache. Hier werden moderne Lerngrammatiken sowie weltweit genutzte Online-Lernmaterialien für Ungarisch entwickelt – immer mit dem forschenden Blick auf spannende Fragen, die tief in das Funktionieren, die Vergleichbarkeit und die Vermittelbarkeit von Sprache hineinführen.

Fachgebietsleiter: Prof. Dr. Csongor Lőrincz

Wissenschaftlicher Mitarbeiter:
Morten Nissen

Forschungsschwerpunkte:
Ungarische und deutsche Literatur und Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts, die Medialität des Literarischen sowie Interpretations- und Sprachtheorien.